„Homo Technicus" im Machinentakt

Wenn das Lebendige in Ihrer Interpretation hörbar wird, dann hören Ihnen auch die Menschen zu!

„Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“

Gustav Mahler (1860 – 1911)

"Die Technik egalen Spiels etwa übt ein vollkommen anderes

Zeitgefühl, das metronomische, während die Musik in ihrem Wesen inegal ist. Kein Sechzehntel gleicht in einem Stück dem anderen."  Zitat aus »Denken Und Spielen« Jürgen Uhde und Renate Wieland, Bärenreiter

Das mechanische Spielen am Notentext entlang, d. h.  die bloße Umsetzung der grafischen Notation in eine akustische Notation, entspringt einer völligen Unkenntnis aller künstlerischen kompositorischen Parameter und einer geistigen Bedürftigkeit. Im schlimmsten Fall ist es akademischer Dilettantismus.

Wenn man sich fragt, woher das kommt, fällt mir nur die Angst etwas falsch zu machen ein, oder das Bedürfnis alles richtig zu machen, auf der Basis von Unwissenheit, Untertanengeist, Leichtgläubigkeit, Faulheit im Denken, akademischer Dilettantismus, die Tanzmusik, die mangelnde Verknüpfung von Theorie und Praxis an den Ausbildungsstätten. Und: Die Theorielehrer kämpfen, ihren Stoff an den Mann zu bringen, während sich die Instrumentallehrer in ihrer Genialität gefallen - da stört die Theorie nur, die Selbstglorifizierung wird offensichtlich durch Theorie nur zerstört.

 

 

Lesen Sie die hervorragende Analyse von Grete Wehmayer:

"Das Stromlinienideal würde verblassen, Schnelligkeit und maschinenähnliche Gleichmäßigkeit wären nicht mehr Ziele des Übens."

Zitat aus »Die Einzelhaft am Klavier oder Die Kunst der Fingerfertigkeit und die industrielle Arbeitsideologie« Bärenreiter

 

Wagner nennt sie Turnmeister an musischen Turnanstalten.

 

Das Metronom hat nur einen beschränkten Nutzen:

Man kann kurz nachsehen wie schnell M 135 oder M 86 ist.
Das Üben mit dem Metronom ist zu 99% nur schädlich. Es hat keinen positiven Wert.

Wenn man ein Haupttempo nicht halten kann und nach Abweichungen nicht zum Haupttempo zurück findet, hilft einem das Metronom auch nicht weiter.
Es zerstört den notwendigen kreativen Prozess des Auslotens der Phrasierung, des Suchens der Unter- und Übertreibung in der Phrasierung, des Findens von Spannungs- und Entspannungsprozessen, die Entwicklung der künstlerischen Persönlichkeit. Alle Entscheidungen über das Tempo, die Phrasierung, über die persönliche Interpretation, werden erst nach und nach am Ende eines langen Prozesses der Analyse aller Parameter und dem emotionalen Ausloten getroffen. Üben ist ein Prozess des Suchens - ein Prozess der geistigen und emotionalen Auseinandersetzung mit dem Werk, der Struktur und den Ideen des Komponisten.

Der Musiker muss durch Analyse die motivische Struktur auseinandernehmen und diese Elemente spielerisch, mit seiner künstlerischen Intelligenz, spannungsreich wieder zusammensetzen.


Ein spielraumloser Übeprozess tötet jede Kreativität und jedes Interesse - ist menschenunwürdig. Üben muss Spaß machen. Musizieren macht nur dann wirklich Spaß, wenn man seiner musikalischen Fantasie folgen kann, wenn die Zeit in einer menschlichen Komponente abläuft, temp duree, und man nicht Sklave des Metronoms der mechanischen Zeit ist.

 

Der spielerische Umgang mit den musikalischen Ideen, Motiven, Themen, Figuren, d. h. die improvisierte, spielerische, künstlerische Gestaltung des Werkes, machen das Spielen erst für den Schüler interessant. Jeder möchte selbsttätig/selbstwirksam sein, sich im kreativen Prozess erfahren und ausdrücken können.

 

Das Apollinische und Dionysische, die linke und rechte Gehirnhälfte müssen in Einklang gebracht werden.

 

Das ausagieren der musikalischen Fantasie ist Grundbedingung der Selbstverwirklichung

Das Musizieren ist an den Ablauf unserer Denkprozesse gebunden, die Gegenwart entspricht ca. 8-12 Sek, ca. die Länge einer Periode.